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1. November 2006

1. November 2006 - Liebe Schwärzer, liebe Udenhäuser,

und alle anderen, die meine Briefe vielleicht einmal oder auch mehrmals gelesen haben!

Heute ist mein letzter Tag in Jerusalem. Morgen Mittag fliege ich wieder zurück nach Deutschland. Nein, die Koffer sind noch nicht alle gepackt, aber dafür habe ich in den letzten Tagen schon alles Mögliche aus meinem Zimmer heraustransportiert: Bücher, um sie mit der Post vorauszuschicken; Nudeln, Reis und andere Vorräte, um sie zu verschenken; Papiere, die ich nicht mehr brauche für den Müll..... und so hoffe ich, dass es mit dem Packen jetzt ganz einfach wird: Alles, was sich noch in meinem Zimmer befindet (mal abgesehen von Möbeln und Einrichtungsgegenständen) muss mit! Heute Nachmittag wird sich herausstellen, ob diese Logik aufgeht.

Ich gehe weg mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie das wahrscheinlich meistens so ist, bei einem Abschied. Ich bin traurig, diese faszinierende Stadt und das Land, das ich liebgewonnen haben, verlassen zu müssen. Und natürlich die Menschen, die ich kennengelernt habe. Da waren einige Begegnungen, die mir sehr viel bedeuten. Menschen, mit denen ich einige Zeit verbracht habe, mit denen ich Gedanken geteilt habe, mit denen ich ein Stück des Weges unterwegs war. Ich werde sie vermissen. Und ich werde die Sonne in Israel vermissen, die Lebendigkeit der Einkaufsstraßen, die engen Gassen der Altstadt, die schattigen Plätze in „meinem“ Park um die Ecke, die Gottesdienste in der Erlöserkirche und die Abendgebete in der Dormitio. Und... und... und, umso länger ich nachdenke, umso mehr fällt mir ein. Aber ich freue mich auch. Ich freue mich, zurückzukommen, und vor allem darauf, Freundinnen, Freunde, Bekannte und meine Familie wiederzusehen. Und ich bin sehr gespannt, wie es weitergehen wird. Ab Anfang Dezember werde ich als Pfarrerin arbeiten, wo, ist noch nicht ganz klar, aber ich freue mich darauf. Es wird noch so einiges zu organisieren geben, von Autokauf über Umzug bis Wohnung einrichten, aber ich hoffe einfach mal, dass alles einigermaßen glatt geht. Heute im Mittagsgebet der Erlöserkirche bekomme ich meinen Abschiedssegen – und mit dem werde ich mich dann morgen getrost auf den Weg machen.

Ja, und auch ein Abschied von Ihnen steht an, denn dieses ist mein letzter Bericht. Das Traurige daran: Ich habe diese Berichte gerne geschrieben und habe mich sehr über jede Ihrer und Eurer Rückmeldungen gefreut. Es war für mich ein Stück Verbindung nach Hause, und das ist manchmal ziemlich wichtig, wenn eine so weit weg ist. Das ist jetzt zu Ende. Aber das Schöne daran ist: Wir werden uns wiedersehen, in Schwarz und Udenhausen, auf dem Schwanberg, und wo auch immer in Deutschland. Das ist doch eine gute Aussicht!
Ich danke Ihnen und Euch für Eure gedankliche  Begleitung, für alle mails und Briefe, die ich bekommen habe und für Eure Gebete.

„Welche Freude, da man mir sagte:
Wir ziehen zum Haus des HERRN!
Schon stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem:
Jerusalem, als Stadt erbaut, die fest in sich gefügt ist.“
Mit diesen Versen im Herzen bin ich vor neun Monaten hier in Jerusalem angekommen. Und der 122. Psalm, aus dem sie stammen, hat mich in der Zeit, die ich hier verbracht habe, begleitet. Deswegen will ich auch mit diesem Psalm schließen und mit einer Bitte, der sich eigentlich gar nichts mehr hinzufügen lässt:

„Erbittet für Jerusalem Frieden!
Geborgen seien, die dich lieben!
Friede sei in deinen Mauern,
Geborgenheit in deinen Häusern!“

Friede sei auch in Ihren und Euren Häusern!
Ich grüße Sie und Euch herzlich,
Astrid Prinz

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