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6. März 2006 - Liebe Schwärzer, liebe Udenhäuser,
„Manischma?“ Wie geht es Ihnen in Deutschland? „Beseder!“ antworten Sie hoffentlich, es geht uns gut, oder sogar: „Metsujan!“, vorzüglich! Sie sehen, die ersten hebräischen Wörter habe ich schon gelernt. Und wenn ich durch die Straßen Jerusalems gehe, versuche ich, nicht mehr automatisch den englischen Text auf den Schildern zu lesen, sondern mich durch die hebräischen Buchstaben zu kämpfen. Dreisprachig sind die Schilder: Englisch, Arabisch und Hebräisch. Und eigentlich fehlen da noch eine Menge Sprachen: Französisch, Italienisch, Spanisch, Russisch..... alles das höre ich, wenn ich durch die Stadt laufe. Es sind verschiedene Welten, die da aufeinanderprallen und manchmal finde ich es ganz schön schwierig, mich in ihnen zurechtzufinden. Dabei habe ich noch längst nicht alle entdeckt. Jeden Tag kommt etwas Neues dazu. Selten habe ich eine Zeit erlebt, die so sehr gefüllt war mit neuen Eindrücken, Erfahrungen und Erlebnissen. Es ist, als ob ein Tag nicht nur 24 Stunden hätte, sondern mindestens doppelt so viele!
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, zu erzählen. Vielleicht einfach mittendrin: Heute vor einer Woche trafen wir von der Ecumenical Fraternity den griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem, Seine Heiligkeit Theophilus III. Mit einer Gruppe von Angehörigen der Deutschen Botschaft in Tel Aviv besuchten wir ihn im Patriarchat. S.H. Theophilus ist das Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Christen im Heiligen Land. Ein beeindruckender Mann! Eine Stunde lang informierte er uns über die Situation seiner Kirche. Danach schauten wir uns die Kirche von Johannes dem Täufer an. Eine wunderschöne kleine Kirche mit prachtvollen Bildern und Ikonen. Diese Bilder erzählen ganze Geschichten. Natürlich von Johannes, wie er getötet wird und sein Kopf der Tochter Herodias gegeben wird. Aber vor allem erzählen sie von Jesus, von seiner Kreuzigung und seiner Auferstehung. Und wie sein Blut uns erlöst: Es tropft auf die Gebeine Adams. Eine fast naive Darstellung, aber sie sagt eindeutig: Wir alle emp-fangen neues Leben, weil Christus lebt. Und wir stehen in seinem Licht, beglänzt und strahlend. So wie die Sterne, die in die Kuppel hineingemalt sind. Als wir dort in der Mitte der Kirche unter der Kuppel standen, da habe ich mich ein bisschen so gefühlt, als würde ich hineingenommen in diesen Glanz.
„Nehmt einen Sonnenschutz und mindestens drei Liter Wasser mit!“ So stand es in der Einladung zu unserem Ausflug ans Tote Meer. Mir erschien das ziemlich übertrieben, immerhin ist es erst Mitte Februar! Wie froh bin ich, dass ich diesem Rat gefolgt bin. Drei Liter Wasser waren gerade genug und trotz des Sonnenhuts, den ich noch am Tag vorher auf dem Markt gekauft hatte, hatte ich am Abend Kopfschmerzen! „Gott, meine Seele dürstet nach dir aus trockenem, dürren Land, wo kein Wasser ist.“ Sogar nach nur einem halben Tag in der Wüste mit An- und Abfahrt im klimatisierten Reisebus bekommt dieser Ruf aus Psalm 63 einen ganz neuen Hintergrund. Wunderschön ist es dort am Har Sodom: Steinformationen, hinterlassen vom Salz des Toten Meeres, die sich schroff in den blauen Himmel erheben und Muster auf den Felsen, so kunstvoll, wie sie kein Maler malen könnte. Und doch ist es eine lebensfeindliche Umgebung. Heiß und trocken. Steine, Wüste und Salz. Einen einzigen grünen Busch haben wir gesehen. In einer Felsspalte klammerte er sich fest. „Alles Gute, Du tapferer, kleiner Busch, hoffentlich überlebst Du bis zum nächsten Regen!“, hab ich ihm insgeheim im Vorbeigehen gewünscht.
Alles Gute wünsche ich auch Ihnen nach Deutschland. Allerdings nehme ich an, haben Sie im Moment weniger mit Hitze als vielmehr mit Schnee zu kämpfen. Der Winter scheint kein Ende zu nehmen dieses Jahr!
Viele Grüße aus Jerusalem, Ihre Astrid Prinz.
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